Epilepsie und die verschiedenen Formen von Anfällen

Dieser Text soll  Sie informieren zu Anfällen und Epilepsie, mit dem Ziel, dass immer weniger Menschen Angst haben vor Anfällen und vor Menschen mit Anfällen. Ich hoffe, dass ich viele Fragen dadurch beantworten kann.

Menschen mit Epilepsie müssen mit vielen sozialen Vorurteilen kämpfen, die dazu führen, daß auch diejenigen, die unter einer Therapie mit Medikamenten anfallsfrei sind, sich stigmatisiert fühlen und nicht die Freiheit haben ein „normales“ Leben zu führen z.B. ausgehen, Teilnahme im Sportverein..... Freunde finden... Viele Eltern berichten, daß die Nachbarskinder nicht mehr mit ihren Kindern spielen durften, nicht mehr zu Besuch kommen durften...., seit die Epilepsie bekannt war. Wenn die Kinder neben ihrer Epilepsie dann auch noch unter einer Behinderung leiden, verschärft sich die Situation noch mehr. Wir hoffen, daß durch mehr Information und Aufklärung, sich das soziale Leben dieser Familien verbessern kann.

Welche Ursachen haben Anfälle/Epilepsien und welche Formen es gibt?

Nach einem schweren Unfall mit Kopfverletzung, bei und nach Hirnhautentzündungen, bei Stoffwechselerkrankungen (auch bei Unterzucker), nach Hirnblutungen oder Schlaganfällen, bei und nach Hirntumoren , bei angeborenen Veränderungen am Gehirn kann es zu Anfällen und zu einer Epilepsie kommen. Von Epilepsie spricht man, wenn  Anfälle immer wieder auftreten. Es gibt aber auch viele Menschen mit Epilepsie die keinerlei Erkrankung oder Veränderung haben und dennoch an einer Epilepsie erkranken.

Auch gilt, daß das Gehirn eines jeden Menschen unter Extrembedingungen einen Anfall erleiden kann, z.B. bei einer Vergiftung, bei einem Alkoholexzeß, bei Hirnhautentzündungen.....
Bei Menschen mit Epilepsie genügt oft ein kleiner Auslöser, um einen Anfall herbei zu führen, manchmal  kommt ein Anfall auch ganz ohne äußeren Anlaß.

1% der Bevölkerung leidet unter einer Epilepsie (so häufig wie Diabetes/Zucker).
5% erleiden einmal in ihrem Leben einen Krampfanfall, einen sogenannten Gelegenheitskrampfanfall z.B. bei Fieber, Drogenentzug.....

Bekannte Menschen mit Epilepsie:
Nobel, Caesar, Napoleon, Dostojewski

Das Gehirn ist ein Geflecht von Nervenzellen. Bei einer Epilepsie kommt es zu einer Entladung vieler Nervenzellen.
Wie der jeweilige Anfall dann aussieht hängt davon ab, von welcher Hirnregion der Anfall ausgeht und wieviele Nervenzellen einbezogen sind. Manch ein Mensch hat für 1 Minute einen Anfall und dazwischen ist er viele Jahre gesund und doch verläuft sein Leben erschwerter als das Leben der anderen Menschen.

A Große Anfälle

Große Anfälle nennen wir die Anfälle, die uns am meisten erschrecken. Der Betroffene fällt häufig ohne Vorwarnung um, verkrampft sich, z.T. treten Zuckungen auf an Armen und Beinen oder auch mit dem ganzen Körper, z.T. kommt es zum Zungenbiß. In der Regel dauern diese Anfälle 1-2 Minuten, anschließend ist man sehr erschöpft.

B Kleine Anfälle

BNS bei Säuglingen:
blitzartiges Hochreißen der Arme und z.T. der Beine, Nickbewegung des Kopfes, häufig in Serien , oft weinen die Kinder am Ende der Anfallsserie
Das EEG zeigt typische Veränderungen, die wir Hypsarrhythmie nennen, dies zeigt sich insbesondere im sogenannten Schlaf-EEG

Absencen

abruptes Unterbrechen von Handlungen oder von sprachlichen Äußerungen für maximal 10 Sekunden, dadurch Leistungsschwankungen in der Schule, Innehalten des Blickes, starrer Blick, z.T. sind die Augen nach oben verdreht, rhythmisches Lidflattern kann auftreten, manchmal treten auch nestelnde Bewegungen, gelegentlich kurze Zuckungen der Schulter.

C Komplex fokale Anfälle

Schmatzbewegungen treten auf, z.T. unkontrollierte oder nicht sinnvolle  Handlungen, inadäquate Antworten werden gegeben oder immer wieder sich wiederholende Antworten, das Bewusstsein ist eingeschränkt obwohl Bewegungen möglich sind. Es besteht häufig eine Reorientierungphase bevor der Betroffene wieder adäquat reagieren kann

D Rolando-Epilepsie

Eine Epilepsieform, die nur bis zur Pubertät auftritt und dann ausheilt. Es besteht ein Kribbeln im Mund und eventuell um den Mund herum, die Kinder wollen sprechen, können nicht sprechen, obwohl das Bewusstsein erhalten ist und sie alles mitbekommen, was die Eltern sagen. Ein solcher Anfall kann z.T. in einen großen Anfall übergehen.

Was können Sie tun, wenn sie dazu kommen, wenn ein Mensch gerade einen Anfall hat?

Wenn es sich um einen großen Anfall handelt, dann sollten Sie dabei bleiben und helfen Verletzungen zu vermeiden, z.B. indem sie etwas unter den Kopf legen zum Schutz oder indem Sie Gegenstände in der Nähe, die stören könnten wegschieben, wenn es möglich ist oder indem Sie die Brille entfernen. Eventuell beengende Kleidung öffnen. Sie sollten nicht versuchen etwas zwischen die Zähne zu schieben oder Arme und Beine festzuhalten. Sie sollten nicht sofort den Notarzt rufen, sondern warten ob der Anfall nicht nach einer Minute schon wieder vorbei ist und dann sehen, was will der Betroffene, wann geht es ihm wieder so gut, dass er wieder alleine für sich sorgen kann. Bei den anderen Anfallsformen ist es wichtig dabei zu bleiben, zu verhindern, dass jemand im Anfall auf die Straße läuft oder sich auf andere Art einer Gefahr aussetzt. Nach dem Anfall sollten Sie prüfen, ob der betreffende Mensch wieder ganz bei Bewusstsein ist und wieder für sich sorgen kann.

Anfälle und Epilepsien sind ein medizinisches Problem, welches heute oft gut zu beherrschen ist. Jedoch sind die Auswirkungen im Alltag oft schwerwiegender als die zugrundeliegende medizinische Problematik. Ich hoffe, Sie bieten einem anderen, wenn er von seinen Anfällen oder seiner Epilepsie erzählt, Hilfe und Freundschaft an.

Weitere Informationen

Präsentation "Anfälle bei Kindern und Jugendlichen"

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